Wilhelm
Heinrich Schüßler wurde am 21. August 1821 in Bad Zwischenahn im Großherzogtum
Oldenburg in Oldenburg geboren, wo er auch seine Kindheit verlebte. Die
Familie Schüßler war sehr arm und vermutlich hat sich Wilhelm Heinrich
mit Sprachunterricht und als Hauslehrer durchgebracht, bis er im Alter von dreißig
Jahren mit dem Studium beginnen konnte. Er studierte ein Jahr in Paris Medizin,
da die Fakultät zu dieser Zeit einen besonders guten Ruf hatte. Danach setzte
er seine Studien in Berlin fort, wo er den Beginn des Umbruches in der Medizin
von einer naturphilosophischen zu einer naturwissenschaftlichen erlebte. Man ging
nicht mehr von den philosophischen Bemühungen aus, mit denen die Erkenntnisse
von Wesen, Gesetzen, Formen und Erscheinungen der sichtbaren Natur gewonnen wurden,
sondern von den Erfahrungen, von den empirischen Experimenten. Die Erkenntnisse
in der Naturwissenschaft werden gewonnen durch Beobachtung, Messung, Vergleich
und Experiment. Unter anderem lehrten zu dieser Zeit Justus von Liebig und
Rudolf Virchow. Ihre Forschungen hatten entscheidenden Einfluß auf den Medizinstudenten
Schüßler. Auch in Berlin hielt es ihn nicht länger als ein Jahr.
In Gießen hat er dann seine Studien fortgesetzt und auch promoviert. Um
sein Wissen zu erweitern, zog Schüßler nach seiner Promotion nach Prag,
da dort die Homöopathie durch gute Lehrer vertreten war. Dieses Fach wurde
durch Elias Altschul und dem Dozenten Hofrichter gelehrt. Bereits nach einem Semester
Aufenthalt in Prag reichte er in Oldenburg ein Gesuch auf Zulassung zum medizinischen
Staatsexamen ein. Dieses Gesuch wurde abgelehnt, weil er einerseits das geforderte
Abiturzeugnis nicht erbringen konnte und andererseits noch keine vollen vier Jahre
Studium vorweisen konnte, welche nach einer Oldenburgischen Verordnung vom 30.
April 1831 verlangt wurden. Im Jahre 1857 sucht Schüßler erneut
um die Zulassung zum Staatsexamen nach, nachdem er das Abitur am Alten Gymnasium
in Oldenburg nachgeholt hatte. Diesmal konnte Schüßler das medizinische
Staatsexamen am 14. August 1857 abschließen. Später musste über
die Zulassung Schüßlers als homöopathischer Arzt in Oldenburg
entschieden werden. Die neue Heilweise war bei den Ärzten sehr umstritten
und wurde häufig bekämpft. In den Ärztevereinen wurden keine Homöopathen
zugelassen, und einem Arzt, der sich der Homöopathie zugewandt hatte, wurde
die ärztliche Qualifikation regelrecht abgesprochen. Deswegen gab es nur
wenige homöopathische Ärzte. Trotz der Ablehnung durch die Ärzteschaft
fand die Heilweise bei den Menschen begeisterte Aufnahme, weil schon damals das
Vertrauen in die herkömmliche Schulmedizin erschüttert war. Viele Menschen
wandten sich wegen der Erfolge der Homöopathie zu. Oldenburger Bürger
reichten nun ein Gesuch um Zulassung eines homöopathischen Arztes ein. Sie
wiesen auf den jungen Arzt Dr. med. W. H. Schüßler hin, der kürzlich
das Examen bestanden habe und sich zur Ausübung der Homöopathie bereit
erklärt hat. Die Erlaubnis zur Niederlassung, die nur eine begrenzte Anzahl
von Ärzten vorsah, wurde am 2. Januar 1858 ausgestellt. Schüßler
nahm seinen Wohnsitz in Oldenburg und lebte hier bis zu seinem Tode am 30. März
1898. Über sein Privatleben findet man nur spärliche Angaben,
es scheint still und ohne jedes besondere Auftreten in der Öffentlichkeit
abgelaufen zu sein. Nachdem Schüßler erst einmal seine Biochemie erarbeitet
hatte, gab es für ihn nichts anderes mehr, als die Verbesserung dieser Lehre.
Er war verschlossen in seinem Wesen, in sich gekehrt und blieb unverheiratet. Zunächst
war nach seiner Zulassung als homöopathischer Arzt in Oldenburg von der Biochemie
keine Rede. Schüßler begann sich zunächst mit Artikeln über
aktuelle medizinische und homöopathische Probleme auseinanderzusetzen. Sie
wurden in Fachzeitschriften veröffentlicht und haben oft Entgegnungen hervorgerufen.
Er trat 1861 dem Homöopathischen Zentralverein bei, welchen er 1876 wieder
verließ, weil die "tonangebenden Herren meine Therapie nicht als eine
homöopathische anerkennen wollen" (Zitat Schüßler). |